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Heute, am 11. Oktober ist der internationale Coming Out Day. Er soll Menschen die sich mit diesem Thema beschäftigen sagen, du bist nicht allein, es gibt viele die deinen Weg gehen.

Das Coming Out ist keine Frage des Alters. In jedem Alter kann man sich neu finden und diesen Weg gehen.

Radio QueerLive sendet seit über 27 Jahren für die Berliner Community und immer wieder war es auch bei uns ein Thema. Zum Einen in der Sendung direkt, zum Anderen, wenn sich Betroffene bei uns gemeldet haben. Wir möchten euch von den außergewöhnlichsten Coming Outs in 27 Jahren berichten. Und weil wir niemand outen wollen, nennen wir unsere Protagonisten Max bzw. Maxi.

Los geht’s.

Maxi.

Es war die Zeit wo Radio QueerLive im Jahr 1998 auch im Internet seine Sendung ausstrahlte.
Andreas startete um 15:00 Uhr die Sendung und schon 5 Minuten später klingelte es im Sender.
„Hallo hier ist Maxi, ich wurde gerade von meinen Eltern aus der Wohnung geworfen weil ich lesbisch bin“.

Das war für uns natürlich ein Schock.
Was ist passiert. Maxi wollte im zarten Alter von 17 Jahren ihren Eltern sagen das sie lesbisch ist. Weil sie aber nicht die Kraft hatte, es ihren Eltern persönlich zu sagen, gab es am Sonntag Kaffee, Kuchen und unsere Sendung.
Den Kuchen bekamen die Eltern nicht mehr runter aber dafür den Koffer vom Schrank. Maxi saß 5 Minuten später in Brandenburg an einer Bushaltestelle.
Maxi wohnte damals die ersten Wochen in der Radio WG und zog dann in eine lesbische WG.
Erst zwei Jahre später gab es wieder einen Kontakt mit den Eltern.
Als Maxi ihren Geburtstag dann bei den Eltern feiern wollte, hatte sie die komplette Redaktion eingeladen.
Die Eltern entschuldigten sich für ihr Verhalten und waren der Meinung das Maxi durch das hören unserer Sendung lesbisch wurde. Sie bedankten sich aber auch dafür das wir uns um das junge Mädchen gekümmert haben und sie in den 2 Jahren nicht obdachlos war.

 

Max

Im Jahr 2004 haben wir DJ Günther aus der Busche in die Sendung eingeladen. Günther sollte sich vorstellen und seinen Club musikalisch darstellen. Er kam aber nicht alleine, sondern brachte Max, einen Halblibanesen mit.
Im Club wollte niemand was von dem Ausländer wissen, lediglich DJ Günther war seine Bezugsperson. Er bat uns das wir uns um Max kümmern und unter Leute bringen.
Durch den regelmäßigen Besuch unserer Sendung wurde er aufgeschlossener und fand Freunde im Team.
Eines Tages gab es eine Sendung wo Max, der Halblibanese über sein Coming Out reden wollte. Er erzählte uns wie lange er dafür gebraucht hat, wie lange er für seinen Freundeskreis in Neukölln brauchte und für seine Eltern hatte er eine besondere Überraschung.

Auf die Frage, ob seine Eltern es wissen, antwortete er: sie hören jetzt die Sendung und ich denke das meine Mutter es meinem Vater übersetzt.

Wir waren sehr überrascht über diese direkte Art und Weise. Prophylaktisch legten wir eine Luftmatratze mit Schlafsack zurecht, falls der Abend noch dramatische Züge bekommt.
Er redete Monate nicht mit seinem Vater aber irgendwann legte sich das Ganze.
Für uns war das mehr als eine kalte Dusche die Max seinem libanesischem Vater verpasste.

 

Max 2

Es passiert schon das unser Telefon klingelt und jemand hat die eine oder andere Frage. Meistens sind das Fragen zu Veranstaltungen oder Vereinen.
Einen der einzigartigen Anrufe bekamen wir vor ca. 8 Jahren.
Am Telefon war eine Mutter. Sie sagte uns in dem Anruf, sie vermutet das ihr Sohn schwul ist. Allerdings wollte sie ihn nicht direkt darauf ansprechen.
Keine Ahnung was sie dazu getrieben hat, ihn bei einer Gayfloßtour anzumelden aber sie tat es.
Mutti brachte Max morgens an den Steg, übergab ihn Frau Bond und sie sollte den ganzen Tag auf ihn aufpassen.
Unter Androhung von viel kalten Wasser sorgte Frau Bond dafür das der 17 Jährige seine Ruhe vor den Gays hatte. 
Als nach 6 Stunden Fahrt alle Gays auf dem Dach saßen und Max das Floß fuhr, wurde es interessant.
Max schaute zu Betty und sagte: ich weiß wieso ich heute hier mitfahren soll und ja ich bin schwul. Aber ich weiß nicht wie ich es meiner Mutter sagen soll und Zeit will ich mir auch lassen.
Am Steg angekommen wartete Mutti auf Max.
Max war schon auf dem Weg zum Auto als seine Mutter fragend Betty anschaute. Und jetzt?
Jetzt gehen sie mal in eine Videothek und leihen sich den Film Beautiful Think aus, kaufen eine Flasche Wein und genießen den Abend.
Und über Enkel würde ich mir weniger einen Kopf machen.

 

Max 3
Er war eine süße kleine Quietschmaus. Er kam alle 2 Wochen nach Berlin und das aus dem tiefsten Bayern. Im Jahr 2004 fand ein junger Boy aus Bayern einen Freund in Berlin und besuchte ihn alle 2 Wochen.
Alle 14 Tage ging es mit dem Zug nach Berlin. Jedes Mal zog er sich im Zug um und stieg hier als neuer Mensch aus. Hier war er schrill, lustig, laut und weltoffen. Alle Zwänge aus seiner Heimat, einem Dorf mit 100 Einwohnern, zählten hier nicht, waren absolut egal.
Jedenfalls bis zum CSD 2004, der sein Leben veränderte.
In einem schrill bunten Outfit und mit viel Waschbrettbauch ging er über die Parade. Er feierte wie die anderen 500.000 Menschen auf der Parade und ahnte nichts Schlimmes.
Am Sonntag sollte es wieder mit dem Zug in die Heimat gehen, zurück in das alte Leben.
Wir gingen aber am Sonntagabend in die Busche und da stand Max plötzlich.
Er war völlig verstört, zitterte und weinte.
Wir sprachen mit ihm und er erzählte was passiert war.
Auf der CSD Parade war er ja sehr schrill. Gerne grinste und feierte er auch vor den anwesenden Kameras. Das war auch während der Liveübertragung des RBB kein Problem, wer schaut in Bayern schon unsere lokalen TV Sender?
Aber Max erwischte eine Kamera des NDR, quietschte hinein und erzählte was von schwul und geiles Parade.
Diese Szene wurde abends dann in der Tagesschau gesendet. Diese Sendung schaute man auch im tiefsten Bayern. Noch während der Sendung klingelten die Nachbarn und erzählten das den Eltern.
Ergebnis, seine Eltern haben ihn angerufen, er möchte bitte nicht zu ihnen kommen.

 

Max 4
Stellt euch vor, ihr interessiert euch für das Thema Radio, seid schwul und kommt zu Radio QueerLive. Ihr arbeitet 3,5 Jahre in der Redaktion, baut Webseiten, geht mit den Kolleginnen und Kollegen ins Café aber redet nicht im Studio.
Ihr findet gefallen an der schillernden Community, mögt die Regenbogenfahne und klebt sie euch auf den Terminplaner.
Die Eltern finden den Planer mit der Fahne und sind überrascht: bist du schwul?

Antwort: nein das ist doch die Fahne für Umweltschutz
Ja wir hatten 3,5 Jahre einen sympathischen jungen Kollegen der sich sehr in die Sendung eingebracht hat, jedoch in der Zeit kein Coming Out vor seinen Eltern hatte. Max sagte ihnen sogar das er beim Radio ist und er nannte auch den Namen von einem Moderator. Er sagte aber nicht das es sich um ein Gayradio handelte und das Max mit dem Moderator 3,5 Jahre in einer Beziehung lebte.
Seine Eltern hörten über viele, viele Wochen jeden Berliner Radiosender und irgendwann bekam er eine Liste mit Namen.
Leider haben wir nie erfahren wie es dem Max geht und ob er irgendwann die Kraft bekam und es seinen Eltern sagte.
Wir denken auf jeden Fall gerne an unseren Kollegen zurück der uns oft zum Lachen brachte.


Maxi 2
Das ein Coming Out nicht nur in jungen Jahren für viele ein Thema werden kann, zeigt unsere letzte Geschichte.
Im Alter von 52 Jahren bekam Maxi ihr Coming Out.
Nie hätte sie gedacht das sie mal auf Frauen steht.
Die Kinder waren alle aus dem Haus, man hatte wieder mehr Zeit mit dem Mann aber dann die Veränderung. Maxi lernte eine Frau kennen und fühlte plötzlich etwas für diese.
Es waren die gleichen Gefühle, die sie über Jahrzehnte für ihren Mann hatte. Die Einsicht eines lesbischen Coming Outs kam schnell, genauso wie eine Scheidung und die Trennung von ihrem Mann.
Leider war jedoch die neue Liebe auch nur von kurzer Dauer und damit ging Maxi auf die Suche nach neuen Horizonten.
Sie rief bei uns an und wollte Events zu Veranstaltungen wissen, wo sich Frauen trafen. Sie liebte die Frauencafés einiger Vereine, fand aber keine passende Frau für sich.
Es war Zufall. Eines Tages hatten wir eine Sendung, wo wir eine junge Frau begrüßten, die sich mit Versicherungen für queere Menschen kümmerten.
Maxi war als Gast im Studio und schaute zu, wie Radio QueerLive produziert wird.
Wir bemerkten gar nicht, wie sich ihre Blicke trafen und es knisterte.
Lange Zeit haben sich die beiden Frauen abgewechselt und realisierten Themen in unserer Sendung.
Ihnen war es auch egal, dass sie vom Alter über 20 Jahre auseinander waren. Sie fanden, dass sie sich wunderbar ergänzen.

 

Max 5

Unsere letzte Geschichte gehört auch wieder zu denen zum Thema: kalte Dusche.
Es war ein Sonntag und es war eine Bundestagswahl. Max saß mit seinen Eltern vorm Fernseher und die Hochrechnungen ließen nichts Gutes erahnen.
Seine Eltern waren eingefleischte Sozialdemokraten die während des Wahlkampfs auch persönlich auf der Straße standen.
Als das Ergebnis sehr schlecht aussah und die Eltern am Boden zerstört waren, drehte sich Max zu ihnen und sagte: ach übrigens, ich bin schwul.
Als uns Max das erzählte war selbst in unserer Redaktion erst einmal Ruhe. Selbst wir empfanden das als eine Dusche mit Eiswasser. Natürlich wollten wir wissen, wie er gerade diesen Moment für sein Outing gewühlt hat.
Aber Max war ein Realist. Seine Meinung war, man kann nur einmal deprimiert und am Boden sein. Noch tiefer geht nicht.
Am Ende hat er uns verraten das seine Eltern durch das Ergebnis der Wahl mehr geschickt waren als von ihrem schwulen Sohn. Von ihm hatten sie schon eine leichte Ahnung.


Wir Schwule und Lesben brauchen ein Coming Out, brauchen den Moment der Selbstfindung und Erkenntnis. Und so unterschiedlich wie wir sind, so unterschiedlich können die Erfahrung sein die wir machen.

Erfahrungen mit uns selbst, mit der Gesellschaft und natürlich auch in der Familie.
Nicht immer ist der Weg gradlinig, oft gibt es Umwege oder auch Steine.
Hilfestellungen geben Vereine wie das Jugendnetzwerk Lambda in den einzelnen Bundesländern. Zusätzlich gibt es in vielen Städten auch Coming Out-Gruppen. Auch dort bekommt ihr Hilfestellungen und viele Fragen beantwortet.
Wenn ihr die Erkenntnis bekommt das ihr schwul, lesbisch oder transsexuell seid ist das Leben nicht zu Ende. Im Gegenteil, es hält viele neue Dinge für euch bereit.
 

Findet Gruppen die sich in eurer Nähe mit dem Thema beschäftigen und schreibt sie vielleicht erst mal via Email an.

Übrigens, wusstet ihr das es einen Witz zum Thema Coming Out gibt`
Mit diesem beschließen wir unsere kleine Geschichten zum Thema.

Treffen sich zwei Nachbarinnen im Hausflur.
Sagt die Eine abwertend: Homoehe. Stellen Sie sich vor, ihr Sohn kommt mit einem Schwulen nach Hause und erklärt Ihnen, dass ist ihr neuer Schwiegersohn. Was würden Sie machen?
Sagt die Zweite: ich würde ihn fragen, ob er Kaffee oder Tee trinken möchte.

 

Ist es nicht egal wen wir lieben?
Ist es nicht viel wichtiger das wir jemand finden und lieben?!

 

 

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