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Jahrzehnte zerstörte der Paragraph 175 das Leben von Menschen und deren Perspektiven. Man nannte ihn Unzuchtsparagraph oder auch Homosexuellenparagraph. Seit 1. Januar 1872 existierte er im deutschen Strafgesetzbuch, er stellte sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe. Seit seiner Schaffung wurden etwas 140.000 Männer mittels dieses Paragraphen verurteilt, verhaftet oder auch getötet. In der Zeit der Nationalsozialisten wurde der Paragraph verschärft, homosexuelle Männer kamen ins Konzentrationslager bzw. Zuchthaus.
Nach dem Krieg wurder der Paragraph 175 in der DDR in die Vorkriegsversion zurückgestuft, jedoch ab Ende der 1950ziger Jahre nicht mehr angewendet. In der Bundesrepublik wurder der 175er erst 1969 reformiert, dies bedeutet, er existierte weiterhin in der verschärften Form der Nationalsozialisten und brachte gleichliebende Männer ins Zuchthaus.
Das Bundeskabinet möchte diese Opfer jetzt entschädigen.

Es wird Zeit das das Bundeskabinet den Weg für eine Rehabilitation frei macht.
Die Verurteilung von homosexuellen Männern nach dem 2. Weltkrieg in der Bundesrepublik gehört mit zu den größten Verletzungen der Menschenrechte. Man geht davon aus das die Zahl der Männer die das betrifft, denen eine Rehabilitation zusteht, sich zwischen 5000 und 16000 betrifft. Das sind Zahlen derer, die noch Leben und denen dies zusteht. Man rechnet etwa mit 50.000 Betroffenen insgesamt.

Vereine wie der LSVD fordern eine würdige Entschädigung. Doch wo fängt die Würde an bei einer Entschädigung?
Die Verfolgung in der Bundesrepublik nahm schon eigenartige Züge an. In Hamburg glich sie unter Innensenator Helmut Schmidt (SPD) einer Hexenverfolgung. So ließ er systhematisch Treffpunkte wie Klappen überwachen oder durch verdeckte Ermittler bespitzeln, um Homosexuelle zu stellen.

Durch Zeitzeugen bekamen wir von Radio QueerLive in der Vergangenheit ein Bild davon, wie solche Verfolgungen aussahen und mit welchen Mitteln der Staat arbeitete.
Wenn sich zwei Männer besuchten und dies nach einer bestimmten Zeit geschah, die Nachbarin Verdacht schöpfte und die Polizei informierte, stand die Sittenpolizei vor der Tür und nahm sich dem Fall an. Wohnungen wurden gestürmt, die Betttemperatur gemessen und wenn diese ein bestimmtes Maß überschritten hat, bestand der Vedacht auf sexuelle Handlungen.

Die Männer wurden verurteilt nach dem Paragraphen 175, kamen ins Zuchthaus und mussten ihre Strafe absetzen.
Nur weil ein Mann einen Mann liebte, kamen sie ins Zuchthaus und standen damit vor den Scherben ihrer Lebens.
In der Gesellschaft ging es nicht weiter, Perspektiven im öffentlichen Dienst gab es nicht. Verfolgung, Depressionen und leider oft als letztes Mittel - Selbstmord.

Wer nach dem Paragraph 175 verurteilt wurde soll 3000 € bekommen, für jedes angefangene Jahr sollen 1500 € angerechnet werden.
Doch was ist mit dem zerstörten Laen danach?
Schwule Männer aus der Generation die den Paragraphen 175 erlebten und unter ihm leiden mussten, leben heute noch oft versteckt, trauen sich nicht an die Öffentlichkeit.
Wer durch eine Verurteilung betroffen war, hatte keine Aufstiegschancen mehr in der Gesellschaft und musste auch hier massive finanzielle Einschnitte hinnehmen.

Sind 3000 € plus X für ein ruiniertes Leben angemessen?